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Caravaggio, Narziss, 1598/99, Detail. © Photo: Gallerie Nazionali di Arte Antica di Roma – Bibliotheca Hertziana, Istituto Max Planck per la storia dell’arte / Mauro Coen
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13. Juli – 6. Oktober 2019

Wege des Barock

Museum Barberini präsentiert Meisterwerke aus den Sammlungen der Palazzi Barberini und Corsini Rom

Das Museum Barberini zeigt vom 13. Juli bis 6. Oktober 2019 die Ausstellung Wege des Barock. Die Nationalgalerien Barberini Corsini in Rom. 54 Meisterwerke aus den Sammlungen der Palazzi Barberini und Corsini sind zu Gast in Potsdam, darunter eines der bedeutendsten Werke Caravaggios, sein 1589/99 entstandenes Gemälde Narziss.

Caravaggio stieß mit seiner Konzentration auf den entscheidenden Moment einer Erzählung eine neue Kunst an. Wie auf einer Bühne werden die Figuren durch schlaglichtartige Beleuchtung monumentalisiert. Diese Bildmittel lösten ausgehend von Rom eine europäische Gegenbewegung zur Vergeistigung und Verklärung barocker Darstellungen aus und führten zu einem Realismus, der mit seiner Härte bis heute fasziniert. Mit Caravaggios Narziss steht ein Gemälde im Zentrum der Ausstellung, das mit seinem Thema der enttäuschten Selbstliebe für diesen Aktualitätsbezug beispielhaft ist.

Der Palazzo Barberini birgt eine der wichtigsten Sammlungen römischer Barockmalerei. Zusammen mit dem Palazzo Corsini beherbergt er heute die italienische Nationalgalerie. Wege des Barock zeigt erstmals eine repräsentative Auswahl dieser Malerei in einer Ausstellung. Sie zeichnet die von Michelangelo Merisi da Caravaggio inspirierte Entstehungsgeschichte der römischen Barockmalerei nach und verfolgt mit deren Ausstrahlen nach Europa Entwicklungen nördlich der Alpen ebenso wie in Neapel. Diese europäische Dimension wird auch mit der Rezeption in Deutschland thematisiert und als Schlaglicht die Sammeltätigkeit Friedrichs II. einbezogen, der für das Neue Palais in Potsdam Werke von Artemisia Gentileschi, Guido Reni und Luca Giordano erwarb.

Papst Urban VIII. war der wichtigste Förderer dieses römischen Barock. Bereits vor Erlangung der Kardinalswürde ließ er sich von Caravaggio portraitieren (Privatsammlung, 1598). Maffeo Barberini war ein Kenner gelehrter Schriften, dessen Bibliothek neben Manuskripten der Kirchenlehrer auch Hauptwerke der antiken Literatur umfasste. Als Papst wollte er in seinem Jahrhundert eine kulturelle Blüte in Malerei, Architektur, Literatur und Musik initiieren, die den Vergleich mit der Renaissance nicht scheuen sollte. In sein Pontifikat fiel die Einweihung des Petersdoms im Jahr 1626, dessen Bau die Päpste der Renaissance über hundert Jahre zuvor begonnen hatten. Mit seinem Baumeister Gian Lorenzo Bernini vollendete Urban VIII. das wichtigste Bauwerk der katholischen Kirche. Über dem Grab Petri ließ er von Bernini ein prunkvolles Ziborium errichten und dort mit Sonne, Bienen und Lorbeer die Insignien der Familie Barberini anbringen.

Unterdessen hatte sich mit seinem Onkel Taddeo, seinem Bruder Francesco und seinen Neffen Francesco und Antonio die aus Florenz stammende Familie in Rom angesiedelt und mit Carlo Maderno, Francesco Borromini und Bernini die wichtigsten Baumeister ihrer Zeit mit dem Bau des Palazzo Barberini betraut. Vom Palazzo Barberini gingen entscheidende Impulse für die Kunst des Barock aus. Das Deckenfresko des Audienzsaals zeugt wie Berninis Ziborium in St. Peter noch heute von Anspruch und Ambitionen Papst Urbans VIII.: Tugenden flankieren die Allegorie der Göttlichen Vorsehung seines Pontifikats und präsentieren die Papst-Tiara und die Schlüssel Petri. Darunter formen Personifikationen von Glauben, Liebe und Hoffnung einen Lorbeerkranz, der die Bienen des Familienwappens umgibt. Mit seinem Erfindungsreichtum setzte Pietro da Cortonas Deckenfresko neue Maßstäbe und wurde wie die von Bernini und Borromini entworfenen Treppenhäuser des Palazzos Signum der Epoche.

Die Ausstellung Wege des Barock. Die Nationalgalerien Barberini Corsini in Rom versammelt 56 Meisterwerke. Sie ist ein Gemeinschaftsprojekt der Namensschwestern in Rom und Potsdam und verdankt sich der Zusammenarbeit von Maurizia Cicconi und Michele Di Monte, Kuratoren der römischen Nationalgalerien, und Inés Richter-Musso, Gastkuratorin des Museums Barberini in Potsdam.

Sommerfestival
Italien in Potsdam
Palazzo Barberini, Rom Photo © Barberini Corsini
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Museum Barberini, Potsdam, Photo © Helge Mundt
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Museum Barberini Potsdam // Palazzo Barberini Rom
Quelle: Felix König/wikipedia
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Friedenskirche, Potsdam // Basilica di Santa Maria in Cosmedin, Rom
© Museum Barberini Potsdam, Henry Balaszeskul
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© Museum Barberini Potsdam, Henry Balaszeskul
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Triumphtor am Winzerberg, Potsdam // Arco degli Argentari, Rom
© Museum Barberini Potsdam, Henry Balaszeskul
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© Museum Barberini Potsdam, Henry Balaszeskul
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Neptungrotte, Potsdam // Trevibrunnen, Rom
© Museum Barberini Potsdam, Henry Balaszeskul
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© Museum Barberini Potsdam, Henry Balaszeskul
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Französische Kirche, Potsdam // Pantheon, Rom
© SPSG
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© SPSG / Gerhard Murza
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Gemälde von Artemisia Gentileschi unrestauriert // restauriert
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Die Ausstellung steht im Zentrum des Sommerfestivals Italien in Potsdam. Gemeinsam mit der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg lädt das Museum Barberini dazu ein, den Ausstellungsbesuch auf die italienisch inspirierten Bauten und Skulpturen in Sanssouci auszuweiten – mit dem digitalen Wanderführer der Barberini App, gesprochen von Günther Jauch.

In Italien fanden Preußens Könige über Jahrhunderte hinweg Inspiration für ihre Residenzstadt Potsdam. Vor allem Friedrich der Große und Friedrich Wilhelm IV. waren Kenner dieser Kunst- und Architekturgeschichte und formten im 18./19. Jahrhundert ein feinsinniges „Preußisches Arkadien“, mit dem sie auch ihrem Machtanspruch Ausdruck verliehen. Es entstand eine Kulturlandschaft, die Bau- und Kunstwerke im Original oder im Stil der römischen Antike, Renaissance, Barock oder des Klassizismus präsentiert.

Die Kooperation mit der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg ermöglicht die Ausleihe zweier von Friedrich II. erworbener Gemälde von Artemisia Gentileschi, die sich seit 1769 im Neuen Palais befinden. Nach 250 Jahren verlassen sie, eigens für die Ausstellung restauriert, erstmals ihren Standort.

Dass die beiden Gemälde von Artemisia Gentileschi stammen, wusste Friedrich nicht. Erst im 20. Jahrhundert entdeckte man, dass es sich um Werke der Malerin aus Rom handelt. Sie war die erste Frau, die eine eigenständige Karriere als Malerin machte und schon zu Lebzeiten europaweit Anerkennung fand. Ihr Werk war jedoch bis weit in das 20. Jahrhundert in Vergessenheit geraten.

Die Gemälde, die 1768 fest in die Wände des Oberen Saals im Neuen Palais von Sanssouci eingebaut wurden, wurden für die Restaurierung entnommen. Übermalungen, vergilbte Firnisse und Schmutz verdeckten die ursprünglichen Oberflächen. Zum Vorschein kam die ganz besondere malerische Qualität Artemisias. Bei der Darstellung der Lukretia war der Kopf des Tarquinius völlig übermalt. Nach der Abnahme der Übermalungen zeigt sich die Darstellung des Königssohnes nun wieder in seiner ursprünglichen Frische.