17. November 2018 – 2. Februar 2020

Künstler aus der DDR

Werke aus der Sammlung des Museum Barberini
Zwischen der Staatsgründung 1949 und der deutschen Wiedervereinigung 1990 entwickelte sich in der DDR ein vielfältiges Kunstschaffen im Spannungsfeld zwischen staatlicher Inanspruchnahme und künstlerischem Autonomieanspruch. Dabei wandelten sich die Lebensbedingungen und politischen Vorgaben, die künstlerischen Spielräume und Reglementierungsstrategien in den vier Jahrzehnten des Bestehens der DDR grundlegend. In Anbetracht der staatlichen Bestrebungen, das Kunstschaffen ideologisch zu beeinflussen, suchten die Künstler individuelle Wege zwischen Anpassung, Selbstbehauptung und offener Opposition.

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Photo: Helge Mundt, © Museum Barberini
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Die Sammlung des Museums Barberini hat einen Schwerpunkt in der Malerei von Künstlerinnen und Künstlern aus der DDR. Mit der aktuellen Sammlungspräsentation Künstler aus der DDR lädt das Museum ein, wichtige Themen der Kunst in der DDR und nach 1989/90 neu zu entdecken. Präsentiert werden Werke von Gudrun Brüne, Hartwig Ebersbach, Günter Firit, Albrecht Gehse, Ulrich Hachulla, Rolf Händler, Bernhard Heisig, Johannes Heisig, Ralf Kerbach, Walter Libuda, Werner Liebmann, Wolfgang Mattheuer, Harald Metzkes, Roland Nicolaus, Stefan Plenkers, Arno Rink, Willi Sitte, Erika Stürmer-Alex und Werner Tübke.

Moderne Historienmalerei
(Sammlungspräsentation bis Sonntag, 19.1.2020)

Mythologische, literarische und religiöse Stoffe dienten vielen Künstlern nicht der glorifizierenden Darstellung der Staatsgeschichte, wie von offizieller Seite gefordert. Sie waren oftmals Ausgangspunkt persönlicher Reflexion oder zur Veranschaulichung allgemeinmenschlicher Fragestellungen. In der sich als atheistisch definierenden Kultur der DDR setzten Künstler religiöse Verweise als Ebene der Doppeldeutigkeit ein. Dem Maler Harald Metzkes etwa boten Themen der christlichen Bildwelt, wie der Hirte oder der gefolterte Christus, eine Möglichkeit zur Darstellung allgemeingültiger existentieller Erfahrungen. Nach dem Ende der DDR behielten viele Maler ihre Sujets bei und führten das Genre der modernen Historienmalerei fort.

Landschaft
(Sammlungspräsentation bis Sonntag, 2.2.2020)

Die Auseinandersetzung mit dem traditionellen Genre der Landschaftsmalerei bot Malern ein weites Feld unterschiedlicher Darstellungsweisen und Assoziationsmöglichkeiten. Natur- und Stadtlandschaften wurden neben einer atmosphärischen oder geographischen Schilderung zum Experiment über Form und Farbe. Im Deskriptiven konnten sich aber auch Verweise auf Seelen- oder Traumlandschaften zeigen. Die Grenzen zwischen Äußerem und Innerem lösen sich in diesen Landschaftsbildern andeutungsreich auf. In den Stadtlandschaften von Bernhard Heisig und Wolfgang Mattheuer etwa verbinden sich atmosphärische Schilderungen mit phantastischen Elementen. Der Blick aus dem heimischen Fenster wird dabei nicht zum seit der Renaissance beschriebenen Fenster zur Welt, sondern häufig zu einem Blick nach innen, in eine Welt des Symbolischen. Die Darstellungen heimischer oder fremder Städte gleichen erträumten Orten, die mittels der Malerei auf die Leinwand gebannt werden.

Melancholie und Malerei
(Sammlungspräsentation bis Sonntag, 26.1.2020)

Im distanzierten Blick auf die Welt inszenierten sich Künstler als nachdenkliche Beobachter – ein jahrhundertealter Künstlertypus. Dieser Rückzug ermöglichte zugleich die Vergewisserung des Künstlerindividuums in einer auf Gleichheit angelegten Gesellschaftsordnung und eine Legitimation des Schöpferischen. So ist die Melancholie in der Malerei der DDR nicht zwangsläufig ein Ausdruck von Resignation und Pessimismus, sondern umso mehr Mittel der Selbstbehauptung. Ralf Kerbachs Gemälde Dresdner Freunde etwa ist Zeugnis der Verbundenheit und Trennung. Es entstand kurz nach seiner Ausreise 1982 nach West-Berlin als Hommage an die in Dresden verbliebenen Künstlerfreunde. Während sich die Dresdner Künstlerschaft in den frühen 1980er Jahren zunächst durch Zusammenschluss und gemeinschaftliche Inszenierungen zu verbinden wusste, bröckelte die Szene durch vermehrte Ausreisen zusehends. Zum Zeitpunkt der Bildentstehung muss die erlebte Distanz für Kerbach umso drastischer gewesen sein, denn er verließ die DDR vor den anderen dargestellten Freunden – unter ihnen die Künstlerin Cornelia Schleime und der Dichter Sascha Anderson, der nach der Wende als Spitzel der Staatssicherheit enttarnt wurde.

Aspekte des Malerischen
(Sammlungspräsentation bis Sonntag, 26.1.2020)

In den 1980er Jahren diente die Malerei auch als Mittel zur Selbstbefragung und zur Reflexion. Auf der Suche nach einem individuellen künstlerischen Ausdruck erweiterten sie unabhängig von offiziellen Vorgaben die Malerei um eine Dimension des Expressiven, oftmals Rätselhaften. Das Selbstportrait von Erika Stürmer-Alex beispielsweise ist zugleich reflexive Innenschau und expressives Statement einer selbstbewussten künstlerischen Haltung. Mit Mut zum Experiment veranstaltete die Malerin auf ihrem Kunsthof im brandenburgischen Lietzen in den 1980er Jahren sogenannte Pleinairs, Kunstaktionen im Freien, mit befreundeten Künstlerinnen und Künstlern. Fernab der offiziellen Kunstzentren entstand eine Malerei, die das Figurative mit dem Abstrakten zu einer herausfordernd lauten, existentialistischen Selbstbefragung verband. So prallen im Selbstportrait kräftige Farbflächen auf harte Konturen.