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John Lund: Jasper Johns im Atelier, Photographie
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Jasper Johns. The 100 Monotypes

29. Februar bis 1. Juni 2020

Jasper Johns (*1930) gehört zu den wichtigsten Vertretern der amerikanischen Pop Art. Neben farbstarken, großformatigen Gemälden entstand im Lauf seines Lebens ein druckgraphisches Werk, das den Künstler als Peintre-Graveur in eine Reihe mit Goya und Picasso stellt. Anlässlich seines 90. Geburtstags am 15. Mai 2020 würdigt ihn das Museum Barberini mit der Präsentation seiner jüngsten Serie The 100 Monotypes, die begleitend zu seinem Werkverzeichnis (Wildenstein-Plattner Institut, 2017) entstanden ist.

Als Jasper Johns in den 1950er Jahren begann, den Abstrakten Expressionismus zurück zum Gegenständlichen zu führen, indem er Flaggen, Zahlen, Zielscheiben, Landkarten und Buchstaben malte, stellte der Musiker John Cage die Frage: „Is it a flag, or is it a painting“? Mit dieser Bemerkung zielte er auf Johns Vexierspiel von Wirklichkeit und Abbild. Immer wieder hat Johns mithilfe des Collageverfahrens und Wiederholungen auch Reproduzierbarkeit thematisiert.

Monotypien sind Originale und stehen der Malerei somit näher als der Druckgraphik. Für The 100 Monotypes arbeitete Johns mit dem Abdruck seiner Hand und Symbolen der amerikanischen Gebärdensprache und verwandte dieselbe Platte für 100 unterschiedliche Drucke, bei denen er für ihn wichtige Motive wie Schnüre, Schablonen und Blätter und Verweise auf eigene Gemälde und Skulpturen hinzufügte. Über diese Wechselbeziehungen äußerte sich der Künstler in einem Interview: „Ich wiederhole gerne ein Bild in einem anderen Medium, um das Spiel zwischen den beiden zu beobachten: das Bild und das Medium. In gewisser Weise macht man dasselbe auf zwei Arten und beobachtet Unterschiede und Gleichheit – die Belastungsprobe, die das Bild in verschiedenen Medien auf sich nimmt.“ Jede Monotypie ist Ausgangpunkt für die nächste und somit Teil einer Erzählkette, die den Prozess von Johns künstlerischem Schaffen ebenso wie sein Lebenswerk widerspiegelt.

Am 3. Mai 2020, 16 Uhr, im Rahmen des Berlin Gallery Weekends, spricht Roberta Bernstein, Bearbeiterin des Werkverzeichnisses, über Jasper Johns Zyklus The 100 Monotypes. Am 15. Mai feiert das Museum Barberini in Kooperation mit der American Academy den 90. Geburtstag von Jasper Johns‘ mit einem Vortrag von Adam Weinberg, dem Direktor des Whitney Museums of American Art in New York. Unter dem Titel Jasper Johns and Beyond: Re-Viewing American Art in the 21st Century wird Weinberg einen aktuellen Blick auf die amerikanische Kunstgeschichte werfen.

Zur Präsentation erscheint in der Reihe der Barberini Studien Jasper Johns. The 100 Monotypes im Prestel Verlag. Neben großformatigen Abbildungen aller 100 Monotypien beinhaltet der Katalog einen Essay von Judith Goldman, der die Werkreihe im druckgraphischen Œuvre des Künstlers verortet.