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Ernst Eichgrün: Palazzo Barberini, 1907, Potsdam Museum - Forum für Kunst und Geschichte
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Palais Barberini. Geschichten eines Hauses

Im Januar 2017 bezog das Museum Barberini das rekonstruierte Palais Barberini. Der historische Bau aus dem 18. Jahrhundert war inspiriert vom Palazzo Barberini in Rom. Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem Gesellschaftshaus für künstlerische und kulturelle Vereine umgebaut und später von Ämtern genutzt, wurde das Palais Barberini 1945 zerstört.

Eine dokumentarische Präsentation widmete sich vom 23. Januar bis 3. Oktober 2017 der wechselvollen Bau- und Nutzungsgeschichte des imposanten Gebäudes und macht die Vergangenheit des Palais Barberini anhand zahlreicher, teils erstmals gezeigter, historischer Photos und Dokumente lebendig.

Ein Gesamtkunstwerk
Das Palais Barberini fügt sich in das Ensemble des Alten Marktes ein

Das Palais Barberini wurde 1771/72 auf dem Alten Markt nach Entwürfen der Architekten Georg Christian Unger und Carl von Gontard errichtet. Seine prächtige Fassade war ein wichtiger Blickpunkt des Alten Marktes. Der Platz war als Herzstück der Residenzstadt im Auftrag von König Friedrich II. von 1750 bis 1777 städtebaulich verschönert worden. Inspiriert war Friedrich II. durch Bauwerke der italienischen Hochrenaissance.

Giovanni Battista Piranesi: Palazzo Barberini in Rom, 1758/59

Giovanni Battista Piranesi: Palazzo Barberini in Rom, 1758/59

Das Palais Barberini fügt sich in das Ensemble des Alten Marktes ein

Das Palais Barberini wurde 1771/72 auf dem Alten Markt nach Entwürfen der Architekten Georg Christian Unger und Carl von Gontard errichtet. Seine prächtige Fassade war ein wichtiger Blickpunkt des Alten Marktes. Der Platz war als Herzstück der Residenzstadt im Auftrag von König Friedrich II. von 1750 bis 1777 städtebaulich verschönert worden. Inspiriert war Friedrich II. durch Bauwerke der italienischen Hochrenaissance.

Giovanni Battista Piranesi: Palazzo Barberini in Rom, 1758/59

Giovanni Battista Piranesi: Palazzo Barberini in Rom, 1758/59

Von Rom nach Potsdam
Das Palais ist inspiriert vom römischen Palazzo Barberini
Andreas Ludwig Krüger: Palast Barberini, 1779, gemeinfrei
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Giovanni Battista Piranesi: Palazzo Barberini in Rom, 1758/59
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Namensgeber und Vorbild des Palais Barberini ist der Palazzo Barberini in Rom. Zwischen 1626 und 1638 erbaut, ist das Gebäude knapp 150 Jahre älter als die Potsdamer Interpretation. Lange hielt sich das Gerücht, das preußische Palais verdanke seinen Namen der Tänzerin Barbarina, die zur Zeit Friedrichs II. große Popularität genoss.

Das Potsdamer Palais ist jedoch keine schlichte Kopie. Zu den auffälligsten Unterschieden gehören die Zwischengeschosse des Potsdamer Baus. Solche Mezzanine waren typisch für Potsdamer Bürgerhäuser des 18. Jahrhunderts und wurden aus Gründen der effizienten Raumausnutzung eingefügt.

Wandel zum Gesellschaftshaus
Musik, Kunst und Literatur ziehen ein

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Palais im Auftrag von König Friedrich Wilhelm IV. umfassend um- und ausgebaut. Die beiden oberen Geschosse erhielten repräsentative Säle. Kulturelle Vereine wie der Kunstverein oder die Literarische Gesellschaft bekamen ein langfristiges Nutzungsrecht dieser Räume.

Grundriss Palais Barberini, um 1850, Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Grundbuchakte Humboldtstr. 5-6

Grundriss Palais Barberini, um 1850, Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Grundbuchakte Humboldtstr. 5-6

Musik, Kunst und Literatur ziehen ein

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Palais im Auftrag von König Friedrich Wilhelm IV. umfassend um- und ausgebaut. Die beiden oberen Geschosse erhielten repräsentative Säle. Kulturelle Vereine wie der Kunstverein oder die Literarische Gesellschaft bekamen ein langfristiges Nutzungsrecht dieser Räume.

Grundriss Palais Barberini, um 1850, Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Grundbuchakte Humboldtstr. 5-6

Grundriss Palais Barberini, um 1850, Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Grundbuchakte Humboldtstr. 5-6

Eine Bühne für Stars
Im Palais finden kulturelle Veranstaltungen statt

Kulturvereine lockten im 19. Jahrhundert die Potsdamer Öffentlichkeit mit einem breiten Angebot in das Palais: Neben Ausstellungen und Kunstverlosungen des Kunstvereins und Lesungen der Literarischen Gesellschaft fanden auch Konzerte der Musikvereine statt. Große Musikerinnen und Musiker wie die Pianistin Clara Schumann, der russische Pianist Anton Rubinstein oder der Komponist und Dirigent Wilhelm Furtwängler verzauberten das Publikum.

Festsaal, um 1907,  Stadtarchiv Potsdam mit der Signatur StadtA Potsdam, 1-9/1091 Bl. 198

Festsaal, um 1907, Stadtarchiv Potsdam mit der Signatur StadtA Potsdam, 1-9/1091 Bl. 198

Im Palais finden kulturelle Veranstaltungen statt

Kulturvereine lockten im 19. Jahrhundert die Potsdamer Öffentlichkeit mit einem breiten Angebot in das Palais: Neben Ausstellungen und Kunstverlosungen des Kunstvereins und Lesungen der Literarischen Gesellschaft fanden auch Konzerte der Musikvereine statt. Große Musikerinnen und Musiker wie die Pianistin Clara Schumann, der russische Pianist Anton Rubinstein oder der Komponist und Dirigent Wilhelm Furtwängler verzauberten das Publikum.

Festsaal, um 1907,  Stadtarchiv Potsdam mit der Signatur StadtA Potsdam, 1-9/1091 Bl. 198

Festsaal, um 1907, Stadtarchiv Potsdam mit der Signatur StadtA Potsdam, 1-9/1091 Bl. 198

Samuel Friedrich Diez: Porträt Clara Schumann (Leipzig 1819-1896 Frankfurt/Main), 1840, © bpk / Kupferstichkabinett, SMB / Volker-H. Schneider

Samuel Friedrich Diez: Porträt Clara Schumann (Leipzig 1819-1896 Frankfurt/Main), 1840, © bpk / Kupferstichkabinett, SMB / Volker-H. Schneider

Ernst Haeckel (1834–1919], 1910, Photo: Alfred Bischoff, bpk / Alfred Bischoff

Ernst Haeckel (1834–1919], 1910, Photo: Alfred Bischoff, bpk / Alfred Bischoff

Vorhang auf!
1910 bekommt Potsdam im Palais Barberini ein frühes Kino

Schon Tage zuvor wurde die Eröffnung des Kinos im Saal des Palais als der „Clou Potsdams“ gefeiert. Am 27. Oktober 1910 war es so weit: Die Filmvorführer präsentierten eine Wochenschau. Das begeisterte Publikum wurde über aktuelle Ereignisse informiert und amüsierte sich bei unterhaltsamen Kurzfilmen. Ein Pianist begleitete die Stummfilme musikalisch.

Palast Barberini, o. J., bpk/Kunstbibliothek, SMB

Palast Barberini, o. J., bpk/Kunstbibliothek, SMB

1910 bekommt Potsdam im Palais Barberini ein frühes Kino

Schon Tage zuvor wurde die Eröffnung des Kinos im Saal des Palais als der „Clou Potsdams“ gefeiert. Am 27. Oktober 1910 war es so weit: Die Filmvorführer präsentierten eine Wochenschau. Das begeisterte Publikum wurde über aktuelle Ereignisse informiert und amüsierte sich bei unterhaltsamen Kurzfilmen. Ein Pianist begleitete die Stummfilme musikalisch.

Palast Barberini, o. J., bpk/Kunstbibliothek, SMB

Palast Barberini, o. J., bpk/Kunstbibliothek, SMB

Zu Besuch bei …

Die weiteren Räumlichkeiten des Palais Barberini waren bis ins frühe 20. Jahrhundert in Mietwohnungen unterteilt. Einer der Bewohner war Rudolf Mahnkopf (1847–1937). Er lebte nicht nur fast 60 Jahre mit seiner großen Familie im Palais, sondern arbeitete auch als Verwalter der Säle im Gebäude.

Porträt Rudolf Mahnkopf (Potsdam 1847-1937), Verwalter des Palastes Barberini

Porträt Rudolf Mahnkopf (Potsdam 1847-1937), Verwalter des Palastes Barberini

Vom Palast zum Verwaltungsbau
Die Suche nach städtischen Verwaltungsräumen führt ins Palais

1912 erwarb die Stadt Potsdam das Palais für eine Summe von 350.000 Mark. 1913 zogen die ersten städtischen Einrichtungen ein. Dazu gehörten das Standesamt, das Verkehrsamt und der Verkehrsverein. Im Ersten Weltkrieg richtete die Stadt im Palais außerdem das Militärbüro und die Kriegsfürsorgestelle ein. Letztere verteilte die Lebensmittelmarken und Kriegsunterstützungen an die Potsdamerinnen und Potsdamer.

Städtische Lichtbildstelle Potsdam: Palast Barberini, 28.10.1940, Potsdam Museum – Forum für Kunst und Geschichte

Städtische Lichtbildstelle Potsdam: Palast Barberini, 28.10.1940, Potsdam Museum – Forum für Kunst und Geschichte

Die Suche nach städtischen Verwaltungsräumen führt ins Palais

1912 erwarb die Stadt Potsdam das Palais für eine Summe von 350.000 Mark. 1913 zogen die ersten städtischen Einrichtungen ein. Dazu gehörten das Standesamt, das Verkehrsamt und der Verkehrsverein. Im Ersten Weltkrieg richtete die Stadt im Palais außerdem das Militärbüro und die Kriegsfürsorgestelle ein. Letztere verteilte die Lebensmittelmarken und Kriegsunterstützungen an die Potsdamerinnen und Potsdamer.

Städtische Lichtbildstelle Potsdam: Palast Barberini, 28.10.1940, Potsdam Museum – Forum für Kunst und Geschichte

Städtische Lichtbildstelle Potsdam: Palast Barberini, 28.10.1940, Potsdam Museum – Forum für Kunst und Geschichte

Unter Denkmalschutz gestellt
Sanierungen kommen nur stockend voran

Die Denkmalpfleger beanstandeten nach dem städtischen Ankauf 1912 den Gebäudezustand. Die Schaufenster und Reklameschilder an der Fassade wurden in den Folgejahren entfernt. Ende der 1920er Jahre plante die Stadt unter anderem eine Fußgängerbrücke zur Freundschaftsinsel. Die Planungen gerieten mangels finanzieller Mittel jedoch ins Stocken. Unter dem nationalsozialistischen Oberbürgermeister Hans Friedrichs und seinem autokratischen Führungsstil wurden einzelne Bauvorhaben umgesetzt.

Alfred von Loebenstein: Palast Barberini, 1940, Potsdam Museum – Forum für Kunst und Geschichte

Alfred von Loebenstein: Palast Barberini, 1940, Potsdam Museum – Forum für Kunst und Geschichte

Sanierungen kommen nur stockend voran

Die Denkmalpfleger beanstandeten nach dem städtischen Ankauf 1912 den Gebäudezustand. Die Schaufenster und Reklameschilder an der Fassade wurden in den Folgejahren entfernt. Ende der 1920er Jahre plante die Stadt unter anderem eine Fußgängerbrücke zur Freundschaftsinsel. Die Planungen gerieten mangels finanzieller Mittel jedoch ins Stocken. Unter dem nationalsozialistischen Oberbürgermeister Hans Friedrichs und seinem autokratischen Führungsstil wurden einzelne Bauvorhaben umgesetzt.

Alfred von Loebenstein: Palast Barberini, 1940, Potsdam Museum – Forum für Kunst und Geschichte

Alfred von Loebenstein: Palast Barberini, 1940, Potsdam Museum – Forum für Kunst und Geschichte

Ein Rundgang durch das Palais Barberini
Das Palais blickt auf eine vielfältige Nutzungsgeschichte zurück

Die Säulenhalle, das heutige Foyer, verband als öffentlicher Durchgang den Alten Markt mit der Uferpromenade. Die Seitengebäude des Palais hatten eigene Zugänge. Von hier gelangte man etwa in das Standesamt, die Jugendherberge und die Volks- und Stadtbücherei. Im Restaurant im Kellergeschoss wurde das Bier Potsdamer Stange gezapft.

BLDAM Bildarchiv, Ng.-Nr.: 22 g 26 / 1640.3

BLDAM Bildarchiv, Ng.-Nr.: 22 g 26 / 1640.3

Das Palais blickt auf eine vielfältige Nutzungsgeschichte zurück

Die Säulenhalle, das heutige Foyer, verband als öffentlicher Durchgang den Alten Markt mit der Uferpromenade. Die Seitengebäude des Palais hatten eigene Zugänge. Von hier gelangte man etwa in das Standesamt, die Jugendherberge und die Volks- und Stadtbücherei. Im Restaurant im Kellergeschoss wurde das Bier Potsdamer Stange gezapft.

BLDAM Bildarchiv, Ng.-Nr.: 22 g 26 / 1640.3

BLDAM Bildarchiv, Ng.-Nr.: 22 g 26 / 1640.3

Die Zerstörung
Verheerende Kriegsschäden im Zweiten Weltkrieg

Bei einem Luftangriff der britischen Royal Air Force auf die Potsdamer Innenstadt, der Nacht von Potsdam, am 14. April 1945, wurde das Palais Barberini nahezu vollständig zerstört. Während der vorhergehenden Kriegsjahre waren im hinteren Ostflügel Luftschutzräume mit Pritschen eingerichtet. Lehrlinge der Stadtverwaltung übernahmen den nächtlichen Luftschutzdienst in den Räumen.

Bundesarchiv: Bild 170-378, Links im Bild Altes Rathaus mit Atlas-Figur, rechts daneben der Mittelbau des Palastes Barberini, ca. 1947/1948, Photo: Max Bauer

Bundesarchiv: Bild 170-378, Links im Bild Altes Rathaus mit Atlas-Figur, rechts daneben der Mittelbau des Palastes Barberini, ca. 1947/1948, Photo: Max Bauer

Verheerende Kriegsschäden im Zweiten Weltkrieg

Bei einem Luftangriff der britischen Royal Air Force auf die Potsdamer Innenstadt, der Nacht von Potsdam, am 14. April 1945, wurde das Palais Barberini nahezu vollständig zerstört. Während der vorhergehenden Kriegsjahre waren im hinteren Ostflügel Luftschutzräume mit Pritschen eingerichtet. Lehrlinge der Stadtverwaltung übernahmen den nächtlichen Luftschutzdienst in den Räumen.

Bundesarchiv: Bild 170-378, Links im Bild Altes Rathaus mit Atlas-Figur, rechts daneben der Mittelbau des Palastes Barberini, ca. 1947/1948, Photo: Max Bauer

Bundesarchiv: Bild 170-378, Links im Bild Altes Rathaus mit Atlas-Figur, rechts daneben der Mittelbau des Palastes Barberini, ca. 1947/1948, Photo: Max Bauer

Unvollendete Pläne

Im März 1948 wurden die letzten Ruinenteile beseitigt. Mit dem Abriss des ausgebrannten Stadtschlosses im Jahr 1960 erhielt der Alte Markt seine sozialistische Funktion als Kundgebungs- und Veranstaltungsplatz. Noch unter der SED-Regierung begannen 1989 die Bauarbeiten für ein städtisches Theater. Nach dem Abriss des Rohbaus im Jahr 1991 bekam das Hans Otto Theater mit der sogenannten Blechbüchse bis 2006 seine Interimsspielstätte auf dem Gelände des Palais.

Rohbau des städtischen Theaters, 1990, Photo: Toas Töpfer, Archiv Toas Töpfer

Rohbau des städtischen Theaters, 1990, Photo: Toas Töpfer, Archiv Toas Töpfer

Unvollendete Pläne

Im März 1948 wurden die letzten Ruinenteile beseitigt. Mit dem Abriss des ausgebrannten Stadtschlosses im Jahr 1960 erhielt der Alte Markt seine sozialistische Funktion als Kundgebungs- und Veranstaltungsplatz. Noch unter der SED-Regierung begannen 1989 die Bauarbeiten für ein städtisches Theater. Nach dem Abriss des Rohbaus im Jahr 1991 bekam das Hans Otto Theater mit der sogenannten Blechbüchse bis 2006 seine Interimsspielstätte auf dem Gelände des Palais.

Rohbau des städtischen Theaters, 1990, Photo: Toas Töpfer, Archiv Toas Töpfer

Rohbau des städtischen Theaters, 1990, Photo: Toas Töpfer, Archiv Toas Töpfer